Rellingen ohne Konzept bei bezahlbarem Wohnraum

Rellingen ohne Konzept bei bezahlbarem Wohnraum

Die maßgeblichen politischen Akteure in der Gemeinde haben den Ernst der Lage noch nicht begriffen

Der neue Innenminister des Landes Schleswig-Holstein hat im Oktober 2017 in seiner Landtagsrede, wie auch in der letzten Periode seine beiden Vorgänger darüber berichtet, dass weit mehr als 100.000 Wohnungen (Der NDR berichtete von insgesamt 177.000 Wohnungen) benötigt werden. Das in Auftrag gegebene Gutachten zu diesen Aussagen bildet die Wohnungsmarktsituation in Schleswig-Holstein von 2015 bis 2030 ab.

Aus Sicht des Ministers ist keine schnelle Lösung zu erwarten. Das notwendige Bauland müsse zuallererst zur Verfügung stehen. Die Kommunen müssten eine aktive Baulandpolitik betreiben. Alles Erkenntnisse die man auch bereits vor 5 Jahren schon hatte. Heute wird diese Situation als sogenannter „Flaschenhals“ bezeichnet. Außerdem sind zusätzlich in den letzten Jahren die Baukosten erheblich gestiegen.

Die Ursachen für die aktuellen Knappheiten und zwar in allen Preissegmenten, liegen laut Gutachten in einem zu geringen Angebot infolge des geringen Neubauniveaus und in der regional sehr steigenden Nachfrage. Dies trifft auch für die Gemeinden, wie Rellingen, im Hamburger Randgebiet zu. Die Einwohner in Schleswig- Holstein werden sich auf immer weniger Gemeinden konzentrieren und es ist weiterhin mit einer steigenden Nachfrage aus Hamburg heraus zu rechnen.

Für Rellingen ist es zwar schwierig einen Bedarf nur allein für die Gemeinde zu ermitteln, doch bei jedem Antrag für Mittel der Sozialen Wohnraumförderung muss eine qualifizierte Stellungnahme der jeweiligen Belegenheitsgemeinde in schriftlicher Form vorgelegt werden. Woran orientiert sich denn die Gemeinde, wenn sie Ihre Unterschrift dazu leistet.

Eine exakte, mengenmäßige Abschätzung des Neubaubedarfs für die unterschiedlichen Nachfragegruppen ist jedoch schwierig. Die Wohnungsmarktprognose Schleswig-Holstein 2030 geht auf Basis empirischer Beobachtungen davon aus, dass 50% auf Paare mit Kinder in der Altersgruppe 35 bis unter 65 entfällt. Der Bedarf an Sozialwohngen für Bewohner über 65 liegt danach bei 15%. Im Hamburger Umland ist gegenüber den ländlichen Regionen eine besonders hohe Versorgungsquote bei den Sozialwohnungen festzustellen. Zu beachten ist weiterhin die sogenannte „Abschmelzrate“. Hier geht man in Schleswig-Holstein bis 2022 von 1500 Wohnungen aus, die jährlich aus der Belegungsbindung fallen. Für Rellingen betrifft dies bis dahin zwar nur 10 Wohnungen. Aber wo immer nur wenige Wohnungen für Geringverdiener gebaut wurden, können auch nur wenige aus der Bindung fallen.

Voraussetzung für eine spürbare Mietenentlastung kann nur ein kräftiger Zuwachs im Wohnungsneubau sein. Um nicht nur auf den Ausweis neuer Baugebiete angewiesen zu sein, sollte vor allem auch die Möglichkeit der Nachverdichtung geprüft werden. Es macht auch wenig Sinn für die Gemeinde Rellingen weiterhin darüber nachzudenken, ob die Anzahl der am Ellerbeker Weg geplanten Altenwohnungen dem tatsächlichen Bedarf entspricht. Nach meinem Empfinden werden wahrscheinlich die Wohnungen nur zu einem Teil von derzeitigen Rellinger Bürgern belegt werden.

Weiterhin ist es aus meiner Sicht dringend erforderlich, das Augenmerk auf die Versorgung der Familien mit Kindern zu legen. Rellingen sollte nicht wie derzeit z.B. die Insel Föhr auf Sylter Verhältnisse zusteuern. Die Angebotsmieten für Neubauwohnungen haben für die freifinanzierten Wohnungen die 10 Euro pro qm für die Nettokaltmiete bereits überschritten. Selbst eine Baugenossenschaft hat für seine neu erstellten nicht geförderten Wohnungen in Pinneberg 2013 bereits 11.00 pro qm verlangt. Die Anfangsmiete für eine Sozialwohnung in Rellingen (Regionalstufe IV) liegt derzeit für die ersten 4 Jahre bei 5,80 Euro pro qm. Dies wäre eine Miete die für den Polizisten, die Krankenschwester und den Erzieher noch tragbar wäre.

Aber auch die Gewerbebetriebe, die sich in Rellingen ansiedeln, beschäftigen Leute im unteren Lohnniveau. Man kann nicht immer nur auf die guten Gewerbesteuereinnahmen sehen. Es besteht auch die Pflicht zu einer ausgewogenen Wohnungsbaupolitik und die sollte langfristig planen. Dabei dürfen nicht bestimmte Einkommensgruppen vom Wohnungsmarkt ausgegrenzt werden. Das würde bedeuten, dass erheblicher sozialer Sprengstoff entsteht.

Heiner Hofmann

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